Aberglaube und Brauch aus den Kreisen Bütow und Lauenburg von A. Archut
Erstveröffentlichung in: Blätter für Pommersche Volkskunde, III. Jg. 1894/95 S.185


VI. Pflanzen

(W. bedeutet Wusseken im Kreise Bütow, F. ist Königl. Freist im Kreise Lauenburg)

  1. Saatroggen darf nach dem Dreschen nicht gesiebt oder gestäubt werden, sonst bringt er taube Ähren.
  2. Ein Bauer in Darsow pflanzte die Wrucken mit der linken Hand. Als man ihn  fragte, warum er es so mache, sagte er: Die Wrucke sind hier anne Veiweid‘, å all die Wrucke, wat mit de linksche Hand sett ware, sieht dat Veih nich.
  3. Wächst auf deinem Acker viel Beifuß, so bist du wohl selbst Schuld daran; da hast du gewiß beim Fastnachtsball zu viel gerufen: Vivat! Das hat aber der liebe Gott nicht recht verstanden und dafür wachsen lassen: Bifaut.
  4. Im Sommer trifft man überall auf dem Acker einen winzigen Pilz von der Form eines Trichters, welcher mehr oder weniger Körnchen enthält. Der Volksmund behauptet: So viel Körner im „Töpfchen“, soviel Mark kostet nächstes Jahr der Scheffel Roggen.
  5. Die jungen Triebe an den Ellern, die sogenannten Såmerlåde, benutzt man zum Färben der Wolle.
  6. Roggen in der Hedwigswoche gesät, wird nicht körnig; sät man ihn aber im Vollmond, oder nach andern: in dunklen Nächten, so wird er sehr ertragreich.


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