Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus der Stadt - Nr.13 S.8  


Die Jungfernmühle

Hart an dem verwünschten Berge bei Bütow vorbei fließt ein Bach, der eine Wassermühle treibt. Sie heißt die Jungfernmühle und hat ihren Namen davon erhalten, daß jede Nacht zwischen 11 und 12 Uhr drei Jungfrauen aus dem Berge herauskommen, an den Bach gehen und sich dort baden. Dabei traf sie einst ein vorübergehender Wanderer, und die Jungfrauen forderten ihn auf, sie doch zu erlösen. Der Mann zeigte sich dazu bereit und versprach auch, die ihm gestellten Bedingungen genau einzuhalten. Er sollte nämlich das Erlösungswerk an drei aufeinander folgenden Nächten vollführen, und zwar mußte er jede von diesen drei Nächten unter Beobachtung des strengsten Stillschweigens zwischen 11 und 12 Uhr eine von den drei Jungfern nach der kassubischen Kirche tragen. Das erst und zweite Mal ging alles nach Wunsch. Auch das dritte Mal hätte er trotz mannigfacher Anfechtungen seine Aufgabe glücklich gelöst, wenn ihm nicht unglückseligerweise dicht vor der Kirche sein Hut vom Kopfe gefallen wäre. Ohne an sein Versprechen zu denken, rief er aus: "Ach, mein Hut!" und verschwunden war die Jungfrau. Die drei Jungfern sitzen darum noch heute in dem Berg und harren ihrer Erlösung.

(Jahn)


Bereitgestellt von:
Studienstelle Ostdeutsche Genealogie (insbes. Pommern und Pommerellen) der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund
In Verbindung mit dem Heimatkreis Bütow

                         E-mail: arrendator@kreis-buetow.studienstelleog.de
                         web-site: http://www.buetow-pommern.info
                         © Klaus-Dieter Kreplin, zum Nordhang 5, D-58313 Herdecke 2003