Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus der Stadt - Nr.17 S.10  


Der Teufel schindet eine Leiche

In Bütow starb einmal ein reicher Herr. Zwei Männer wurden beauftragt, die Leichenwacht zu halten. Als es Nacht geworden war, trat der Teufel in das Zimmer hinein, ging auf die Leiche zu und machte sich daran, ihr die Haut abzuziehen. Sofort beschrieb der eine von den Wächtern um sich einen Kreis mit Kreide, machte ein Kreuz hinein und wartete darauf ab, welchen Verlauf die Sache nehmen würde. - Nachdem der Teufel seine saubere Arbeit beendet hatte, hielt er die abgezogene Haut gegen das Licht, um nachzusehen, ob er auch irgendwo hineingeschnitten habe. Diesen Augenblick benutzte der Wächter, um dem ahnungslosen Teufel die Haut des Reichen zu entreißen. Da der Teufel dem Wächter im Bannkreise nichts anhaben konnte, so legte er sich aufs Bitten. Der Wächter hütete sich jedoch, die Haut zurückzugeben. Trotzdem konnte er es nicht unterlassen, zu fragen, warum er die Leiche geschunden habe, und was er mit der Haut wolle. Da hörte er nun von dem Bösen, er habe beabsichtigt, die Haut sich anzuziehen, um dann in dieser Gestalt den Leuten zu erscheinen. Dann würden diese sagen: "Der reiche Mann spukt!" Da das nicht wahr, also eine Lüge sei, so wären dadurch viele Menschen zu Lügnern geworden, und er hätte ihre Seelen, als die Seelen von Lügnern, mit sich in die Hölle nehmen dürfen. So hätte er damit einen guten Fang getan.

(Jahn)


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