Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus der Stadt - Nr.22 S.12  


Ein Geist in die Bergkirche verbannt

Vor vielen Jahren machten zwei starke Männer Nitz und Giese aus Hygendorf eine Wette, wer der stärkere sei. Beim Ringen warf Giese den Nitz so unglücklich zu Boden, daß er das Genick brach und sofort tot war. Die Frau des Toten nahm nach altem Brauch den Lappen, mit dem die Leiche gewaschen war und bestrich damit das Haus und alle Ställe, um den Geist des Toten zu bannen. Sie hatte aber den Holz - und Torfstall vergessen, und deshalb hielt sich der Geist hier auf. Nun war in Hygendorf ein Maurer Kaschubowski, der alle Tage nach Bernsdorf zur Arbeit ging. Jedesmal sah ihn der katholische Geistliche an seinem Hause vorübergehen und bemerkte, daß ihn der Geist des verstorbenen Nitz verfolgte. Er machte den Maurer darauf aufmerksam und sagte ihm, daß ihn dieser Geist eines Tages zur Rede stellen werde, und ob er ihn abweisen könne. Als Kaschubowski dies verneinte, belehrte ihn der Geistliche: Er sollte nach dem Begehr fragen und dann einen bestimmten Vers aus dem Gesangbuch vor - und rückwärts sprechen. Als der Maurer nun eines Tages von dem Geiste zur Rede gestellt wurde, fragte er nach seinem Begehr. Dieser sagte ihm, er möchte seiner Frau sagen, sie solle seinen Bruder heiraten, der ihn dann vertreiben solle, nur möge er ihn nicht in einen Sumpf verbannen. Darauf betete der Maurer sein Sprüchlein. Da er es aber nicht ganz richtig sagte, wurde ihm von dem Geist ein Auge ausgestochen. Der Bruder heiratete die Frau Nitz und verbannte den Geist seines Bruders in die Bergkirche, da dieser noch 35 Jahre auf Erden herumspuken mußte. Hier ging es ihm aber zu gut. Als einst der Superintendent Fischer mit den Kindern Konfirmandenunterricht in der Bergkirche abhielt, spielte der Geist die Orgel. Erstaunt sahen sich die Kinder um, und erblickten niemand auf der Orgelbank. Der Superintendent ließ die Kinder aus der Kirche herausgehen. Durch das Schlüsselloch hörten sie, wie er mit tiefer Grabesstimme den Geist ausschimpfte und ihm drohte, er werde ihn in einen Torfsumpf bannen. Dann sprach er einen bestimmten Gesangbuchvers vor - und rückwärts und dadurch wurde der Geist zur Ruhe gebracht.

(Mündlich)


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