Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus dem Kreise - Nr.37 S.20  


Das verwünschte Schloß in den Heischkuhlen

Zwischen Wusseken und Borntuchen liegen die dem Forstfiskus gehörigen Heischkuhlen, ein herrliches Laubwäldchen, das von Bütowern im Sommer viel besucht wird. Das Wäldchen hat die Gestalt eines stumpfen Winkels, dessen Öffnung nach Süden liegt. In dem südwestlichen Teile der Heischkuhlen befindet sich ein kegelförmiger, oben platter Berg, der "Schloßberg" genannt. An seinem Fuße breitet sich ein reizender Waldsee, der "Herthasee" aus. In diesem See, so wird erzählt, hat man viele Jahre hindurch eine junge und schöne, schwarzgekleidete Jungfrau sich waschen sehen, offenbar in der Absicht, um von den Vorübergehenden bemerkt und angesprochen zu werden. Doch lange fand niemand den Mut dazu, bis sich endlich ein vierschrötiger Arbeiter, mit Namen Kramp, erkühnte, der Jungfrau die Tageszeit zu bieten und sie in ein Gespräch zu ziehen. Dabei erfuhr er, daß sie eine Prinzessin sei, die vor undenklicher Zeit mit ihrem Schlosse verwünscht sei und noch immer vergeblich auf einen Erlöser harre. Bei ihren Klagen wurde dem Mann, das Herz weich, und er erbot sich, das Erlösungswerk zu vollbringen. Die Jungfrau war erfreut darüber. Sollte aber das Vorhaben gelingen, sagte sie, so müsse er sie schweigend auf den Kirchhof von Wusseken tragen und dort niedersetzen; er dürfe sich aber auf dem Wege nicht umsehen, es möge vorgehen, was da wolle, denn Schaden würde er nicht nehmen, selbst wenn es ihm scheinbar den Kopf abzureißen drohe. Nach glücklich vollbrachter Erlösung wollte sie ihn fürstlich belohnen. Eine gute Strecke hatte der Mann die Jungfrau auf dem Rücken tragend zurückgelegt ohne sich auch nur im geringsten an die Scharen der Geister zu kümmern, die ihn verfolgten. Als er aber nahe an den Kirchhof kam, entstand plötzlich ein großer Sturm, der ihm die Mütze vom Kopfe riß. Und diesen Augenblick dachte er nicht an sein Versprechen und sah sich um. Da fuhr die Jungfrau in die Luft empor und rief weinend, daß sie nun nimmermehr erlöst werden könne.

Wenn die Knaben früher zu Johannis ihr Vieh am Schloßberg hüteten und im jugendlichen Übermut die Platte mit Laub und anderen Dingen verunreinigten, fanden sie die in der Mitte der Platte befindliche, ziemlich umfangreiche Öffnung und deren Umgebung am Tage darauf wieder aufs beste abgefegt und mit feinem, weißem Sande bestreut. Nach dem mißlungenen Erlösungsversuch ist jedoch die Platte mit Laub verschüttet und selbst jene Öffnung kaum noch zu entdecken.

(Knoop)


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