Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus dem Kreise - Nr.62 S.32  


Die Haarklumpen

Ein Bauer aus Pyaschen fuhr mit seinem Knechte Dung nach seinem auf der Zemmener Feldmark liegenden Acker. Gewöhnlich machten sie dann bei einem befreundeten Bauer in Zemmen Rast und verzehrten dort' ihr Mittagsbrot. Zuweilen bewirtete der Bauer auch seine Gäste, es durfte sich dann aber niemand eher am Tisch niederlassen, als bis er das Tischgebet gesprochen und das Zeichen des Kreuzes über den Schüsseln geschlagen hatte. Der Bauer hatte mehrere Töchter, mit denen der Knecht nach Art junger Leute oftmals herumschäkerte. Als der Knecht nun einmal wieder Dung fuhr und der Bauer gerade nicht zu Hause war, reichte die Frau dem Knechte, der mit den Mädchen seine Späße trieb, Flinzen, die er aber nicht gleich verzehrte, sondern in die Tasche steckte. Draußen zeigte er sie seinem Herrn, und als sie eine Flinze entzweibrachen, fanden sie in der Mitte einen Klumpen fest zusammengeballter Haare, die Ähnlichkeit mit einer Klatte (Weichselzopf) hatten. Deshalb wurde das Geschenk fortgeworfen. - Später kaufte der Vater des Pyaschener Bauern dies Grundstück in Zemmen. - Als das Wohnhaus abgebrochen wurde, fand man in jeder Wand des Fachwerks bis zur Giebelspitze hinauf solche Haarklumpen.

(Knoop)


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