Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus dem Kreise - Nr.66 S.33  


Der Teufel bekommt für einen Schatz das Blut von sieben Brüdern

In einem Dorf lebte ein reicher wohlhabender Bauer. Wie der nun zum Sterben kam, wachten seine Kinder am Krankenlager. Er redete ihnen zu, sie sollten sich doch zur Ruhe begeben, sie aber wollten den sterbenden Vater nicht allein lassen. Als es aber eines Tages den Anschein nahm, als würde es wieder besser mit ihm werden, schenkten sie endlich seinen Bitten Gehör und verließen ihn. - Am selben Abend , sprach ein Bettler auf dem Hofe um Nachtlager an. Derselbe kam jedes Jahr einmal durch das Dorf, und weil er ein ordentlicher Mann war, wies ihn niemand zurück. Der älteste Sohn Johann aber sagte, sie könnten ihn heute nicht im Hause aufnehmen, weil ihr Vater totkrank sei. So ging, denn der Bettler in die Scheune und legte sich dort nieder. Er war noch nicht eingeschlafen, als der alte Bauer mit einer großen Kiste voll Geld in die Scheune trat, den Schatz in eine Ecke warf, ihn dem Teufel übergab und dem Bösen befahl, denselben nicht eher wieder herauszugeben, bis er dafür das Blut von sieben Brüdern bekommen habe. Der Teufel hatte jedoch den Bettler bemerkt und rief: "Er sieht's, er sieht's! Doch der Bauer achtete nicht weiter darauf, ging in das Haus zurück und starb noch in derselben Nacht.

Am andern Tage verließ der Bettler den Ort. Als er nun nach Jahresfrist wieder hindurch kam und auf dem Hof einkehrte, herrschte dort die bitterste Armut. Johann erzählte ihm, so reich man sonst seinen Vater gehalten habe, nach seinem Tode habe kaum das Geld zu seiner Beerdigung aufgebracht werden können. Jetzt habe er, von all dem reichen Viehbestand nur noch zwei Pferde. Da erzählte ihm der Bettler den Vorfall in der Scheune und sagte: "Des Müllers schwarze Sau hat sieben Eber- Ferkel geworfen; gehe hin und verpfände für diese deine beiden Pferde." Das tat Johann. Darauf nahm der Bettler die Tiere, schnitt ihnen den Hals ab und ließ ihr Blut in der Scheunenecke fließen. Dann sprach der Sohn: "jetzt hast du das Blut; nun gib das Geld!" und in demselben Augenblick lag auch der Schatz schon da.

(Jahn)


Bereitgestellt von:
Studienstelle Ostdeutsche Genealogie (insbes. Pommern und Pommerellen) der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund
In Verbindung mit dem Heimatkreis Bütow

                         E-mail: arrendator@kreis-buetow.studienstelleog.de
                         web-site: http://www.buetow-pommern.info
                         © Klaus-Dieter Kreplin, zum Nordhang 5, D-58313 Herdecke 2003