Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus dem Kreise - Nr.67 S.34  


Der reiche und der arme Bauer

In Trzebiatkow lebten zwei Brüder, von denen der eine reich und kinderlos war, während der andere viele Kinder hatte und von bitterer Armut gedrückt wurde. Einst kam nun der Arme und bat seinen reichen Bruder uni etwas Geld; doch der sagte hartherzig, er habe nichts. Betrübt ging der Mann wieder fort. Als er aber die vielen Äpfel in dem Garten seines Bruders sah, gedachte er an den Hunger seiner Kinder, und um ihnen wenigstens etwas Eßbares mitzubringen, kletterte er auf einen Baum. Indem er pflückte, kam der Reiche mit einer großen Kiste voll Geld in den Garten, warf sie unter den Apfelbaum, übergab sie dem Teufel und sagte, er solle das Geld nicht eher herausgeben, als bis man ihm dafür eine Schüssel dicker Buchweizengrütze geopfert habe. Als der Reiche wieder fortgegangen war stieg der Arme eilends vom Baum herab und borgte sich im Dorf etwas Buchweizen. Davon bereitete er eine Schüssel Grütze, trug sie in den Garten und goß sie unter dem Baum aus. Ganz erzürnt kam da der Teufel herbei und warf dem Mann den Schatz vor die Füße mit den Worten: "Ho ho! Ick bin dorup noch nich warm wurde un schall dat allwedder rutgewe?"

(Jahn)


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