Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus dem Kreise - Nr.94 S.45  


Der unsichtbare Patenzettel

Die Ablehnung einer Taufpatenstelle gilt hier zu Lande als eine so schwere Sünde, daß die Leute glauben, sie könne nicht vergeben werden. Deshalb kommt es auch nicht vor, daß eine solche Bitte abgelehnt wird. Es wird ferner geglaubt, daß man auf dein Gange zum Gevatterstehen sich des Wassers nicht entledigen dürfe, ohne während der Zeit den Patenzettel einem andern zu übergeben; denn sonst leide das Kind an Bettnässen. - Ein Mann aus Kroßnow, namens Meseck, war einst zu einem in Wusseken wohnenden Verwandten zum Gevatterstehen eingeladen. Als er, den Patenzettel mit dem üblichen Patengelde in der Tasche, nach Wusseken ging, kam ihm plötzlich unterwegs, es war in einem kleinen Buchenwäldchen, ein Bedürfnis an. Er legte deshalb den Patenzettel in geringer Entfernung von sich nieder; aber als er weitergehen wollte, war derselbe spurlos verschwunden und trotz allen Suchens nicht zu finden. Mißmutig ging er weiter und trat mit einem derben Fluch bei den Verwandten ein, denen er sein Mißgeschick erzählt. Mit vier Männern machte er sich nun gleich wieder auf den Weg, und die fanden das Verlorene auf derselben Stelle, wo der Mann es hingelegt hatte. Der Patenzettel war seinen Augen unsichtbar geworden.

(Knoop)


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