Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus der Stadt - Nr.6 S.5  


Das unterirdische Schloß und seine Bewohner

Vor vielen Jahren wollte der Magistrat von Bütow genaue Erkundigungen über den unterirdischen Gang sowie über das Schloß und seine Bewohner einziehen, Es fanden sich mehrere Mal beherzte Personen, die mit Laternen bis zur Öffnung des unterirdischen Ganges kamen. Hier wurde das Licht von einem großen schwarzen Hunde, der vor dem Eingang Wache hielt, durch Schlenkern seiner Ohren ausgeblasen, und die Vorwitzigen mußten unverrichteter Sache wieder umkehren. Nun wurde einst ein Verbrecher zum Tode verurteilt, und man stellte ihm die Wahl, den Tod durch Henkers Hand zu erleiden oder durch den unterirdischen Gang zum Schloßberg vorzudringen und die erwünschten Erkundigungen einzuziehen. Er wählte natürlich das letztere. Er wurde mit einem versiegelten Brief an den Gebieter des Schlosses ausgerüstet und drang, ohne daß ihm der Hund das Licht ausblies, durch den geräumigen und sauberen Gang glücklich bis zum verwünschten Schlosse vor. Hier lag ein zweiter schwarzer Hund als Wächter. Dieser sah den Boten ernsthaft an, ließ ihn aber ungehindert passieren. Kein Diener erschien, um nach dem Begehr des Fremden zu fragen. So trat er denn durch die erste Tür in das Innere des unheimlichen Schlosses und befand sich in einem finsteren Raum, in dem ihn von den Wänden allerlei scheußliche Gestalten anstarrten. Schnell öffnete er eine zweite Tür und befand sich in einem großen hellerleuchteten Gemach. In der Mitte stand ein großer, mit allerlei Papieren bedeckter Tisch, an dem ein schwarzgekleideter Mann, den Rücken zur Tür gewandt, emsig arbeitete. Es, war der Schloßherr. Er sah sich nicht einmal nach dem Eindringling um, ließ auch dessen Gruß unerwidert. Da trat der Bote schweigend an den Tisch und überreichte den Brief, welchen der Schloßherr öffnete, las und sofort beantwortete. Der Bote trat mit dem versiegelten Antwortschreiben sofort den Rückweg an, erreichte ohne Gefahr den Ausgang und erstattete den dort Harrenden getreuen Bericht. Was in dem Briefe gestanden, erzählt die Sage nicht. Das Schriftstück soll sich noch heute unter den Akten von Bütow befinden, ist aber so vergilbt, daß es kein Mensch mehr entziffern kann.

(Mündlich, ähnlich auch von Knoop und Jahn erzählt.)


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