Volkssagen aus Stadt und Kreis Bütow in Pommern.  Gesammelt von Walter Keller. Bütow 1920.
Nachdruck: Unvergessene Heimat, Nr.6. Frankenberg 1969. - Sagen aus der Stadt - Nr.9 S.7  


Die verwünschte Prinzessin wird zum Schloßberg getragen

Ein Bütower Bürger ging eines Morgens im schönen Tale bei der Jungfernmühle spazieren. Plötzlich tauchte in dem Bache vor ihm eine weiße Frauengestalt auf. Der Spaziergänger glaubte, es sei des Müllers Tochter und ging ruhig weiter. Aber bald darauf kam dieselbe Gestalt auf einer andern Stelle wieder zum Vorschein, und nun zweifelte der Mann nicht mehr daran, daß er es mit der verwünschten Prinzessin des Schloßberges zu tun habe. Seine Neugierde wuchs mit jedem Augenblick, und er entschloß sich endlich, sie anzusprechen. Er schritt dein Bache zu. Da trat die Jungfrau aus dem Wasser heraus und bat ihn, er möchte ihr doch einen großen Wunsch erfüllen. Als er sich dazu bereit erklärte, forderte sie ihn auf, sie nach dem Schloßberg zu tragen, wo ihr Geburtsort sei; doch dürfte er sich auf dem Wege dahin nicht umsehen und kein Wort sprechen. Der Mann willigte ein, nahm sie auf seine Schultern und trat den Weg an. Kaum hatte er die Hälfte des Weges zurückgelegt, so setzte er sich todmüde auf einen Stein und murmelte: "O wo meid! " Ein gellender Schrei, ein lautes Weinen - die Jungfrau war verschwunden. Der Mann aber kehrte betrübt nach Bütow zurück.

(Knoop)


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