Geschichten aus dem Bütower Land
von Fritz Pallas
Erschienen in Ostpommersche Heimat 1935, Nr. 4/5/6


(Vorwort des Autors)

Der Mensch steht mit der Landschaft, in der er seit Generationen lebt, in einem regen Kräfteaustausch. In seiner Art, seinem ganzen Wesen zeigt sich neben dem Erbe seines Blutes auch die Eigenart des Landstriches, den er seine Heimat nennt. Kann diese enge Verbundenheit von Mensch und Erde wundernehmen, da er doch fortwährend das Brot isst, das auf diesen Feldern gewachsen ist, das Fleisch der Tiere verzehrt, denen aus diesem Boden, diesen Gewässern ihre Nahrung erwuchs, die Luft der Heimat atmet? Tagtäglich strömt das Blut seines Heimatbodens durch seinen Körper, durch seine Seele.

Und der Mensch, der sich aus diesem engen Verhältnis zum Lande löste, der sich in den großen Städten und Mauern und Maschinen, aus Stein und Eisen eine Isolierschicht baute, auch er kann sich diesen Kräften des Landes nur zum Teil entziehen, auch durch ihn geht der lebendige Strom seit Ahnen und jeden Tag neu hindurch.

War dies der Hinstrom der Kräfte, so zeigt der Rückstrom dagegen, wie nun der Mensch seine Kraft in jahrhunderte- und jahrtausende langer Arbeit auf den Boden wirken lässt. Er kann die Wälder zerstören oder vermehren. Er kann die Wasser schneller zum Meer entrinnen lassen oder sie zu Kraftquellen anstauen. Er kann dem Acker seine Fruchtbarkeit rauben oder ihn hegen und pflegen.

Diese Wechselwirkung zwischen Mensch und Landschaft, zwischen Blut und Boden ist auch schon auf kleinen, engbegrenzten Räumen spürbar. So macht sich die Natur des Landes auch auf all den Gebieten bemerkbar, die die Volkskunde erforscht und pflegt. Seien es Volkslieder oder Volkstänze, Sagen oder Erzählungen, sei es alte Volkstracht oder handwerkliche Volkskunst oder was sonst noch, immer werden auch sie mehr oder weniger die Eigenart der engeren Heimat, der Landschaft, der sie entsprossen sind, widerspiegeln.

So geben auch die folgenden kleinen Geschichten aus einem der entlegensten Gebieter unserer Heimatprovinz, aus dem Kreise Bütow, Zeugnis von dem Flecken Erde, dem sie entstammen. Die raue Luft des Landrückens weht aus ihnen; Entlegensein und Selbstbegnügenmüssen, Dürftigkeit des Landes und Einfachheit, dann aber auch Gespensterfurcht und geheimnisvoller Aberglauben und trotz allem ein gut Teil Frohsinn und Schalk sind ihre Grundtöne.


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(Vorwort/Vorbehalt des Herausgebers der Web-Version)

Wie man aus obigem Vorwort erkennt ist der Autor der "Blut und Boden" Ideologie der damaligen Politik verhaftet. Das schlägt sich auch in seinen Geschichten nieder.

Während die beiden ersten Geschichten in ihrer Wortwahl noch als einfach humorvolle Geschichten des durchgehen können, so erkennt man in der dritten und vierten Geschichte in der Wortwahl, daß er der damaligen "staatstragenden" Partei folgt und die darin vorkommenden Zigeuner nur mit abwertenden Begriffen bezeichnet (das betrifft in der Hauptsache den jeweils ersten Teil, während zum Schluß diese Tendenz asbnimmt, er damit der Original-Vorlage folgt?). Auch hat man teilweise den Eindruck, daß allgemein diese Geschichten über Zigeuner hier auf den Kreis Bütow "zurechtgebastelt" werden. Auch wird in allen und insbesondere in den beiden letzten Geschichten die kaschubische Bevölkerung der südlichen Orte des Kreises nicht gerade positiv dargestellt. Man fragt sich - auch wenn man die anderen in derselben Zeitung erschienen Geschichten über andere hinterpommesche Kreise vergleicht, - ob hierin nicht Absicht liegt, eventuell einer höheren Order, zumindest aber der damals "politisch korrekten" Linie gehorchend.

Trotz dieser Bedenken erschien es sinnvoll, die Geschichten, die in dieser Reihe erschienen sind, in der Originalform zu belassen, denn sie geben doch zumindest in der benutzen Sprache, aber auch in der Schilderung der Sitten, Eigenheiten des Kreises und seiner Umgebung wieder.

Eine weitere Geschichte, die ebenfalls in dieser Zeitung, aber außerhalb dieser Reihe erschien ist, wurde nicht aufgenommen, da sie ganz offensichtlich politisch motiviert war und außer einigen Ortsnamen sonst nichts mit dem Kreis Bütow zu tun hatte.

Kreplin, 1.2005


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