Geschichten aus dem Bütower Land von Fritz Pallas
Erstveröffentlichung in: Ostpommersche Heimat 1939 Nr. 4


3. Der Brotzauber

Es war vor mehr als fünfzig Jahren in dem Dorf Reckow, das südlich von Bütow in den Bergen hart an der jetzigen Grenze liegt.

Damals war die Zigeunerplage, besonders in solchen abgelegenen Dörfern, noch sehr stark. So hatte auch in diesem Dorfe ein kleiner Trupp Zigeuner auf dem freien Platz neben dem Gasthause seinen Wagen aufgestellt. Bald konnten die Dorfbewohner das freie Lagerleben der fahrenden Leute beobachten. Wie es so üblich war hatte sich der weibliche Teil der Gesellschaft bald in das ganze Dorf verstreut, um irgendetwas zu erhandeln, zu ergattern oder zu ergaunern.

Nun wohnte in dem Dorf ein Bauer St., dessen Frau überall als besonders knickerig, ja geizig bekannt war. Diese hatte gerade einen ganzen Backtrog voll schöner, brauner, duftender Brote vom Backofen in den Hausflur gebracht. Da stand plötzlich solch ein braunes, zotteliges Zigeunerweib neben ihr und sagte ihren Bettelspruch mit allergrößter Dreistigkeit und Redegewandheit auf. Die Bauersfrau, die sah, dass sie selbst so schnell kaum zum Reden kommen werde, griff nach dem Strauchbesen in der Ecke, um gleich unmißverständlich zum Ausdruck zu bringen, dass der Besuch sich schleunigst zu entfernen und nicht das geringste zu erwarten habe.

Blitzschnell änderte das fremde Weib die Angriffsart, sprach plötzlich recht kläglich und ließ durchblicken, dass sie in ihrer Not selbst einen geheimnisvollen, zauberhaften Rat für wenig Geld verkaufen würde, wie man zum Beispiel es anfangen müsse, dass solch schönes, wohlgeratenes Brot, wie das dort im Backtrog, nie alle werden würde.

Da spitzte die geizige Frau nun doch die Ohren. Das wäre wohl eine Sache, um wieder Geld zu sparen. Und dass die Zigeuner mancherlei Zauber verständen, hatte sie oft genug gehört. Sie sträubte sich zunächst noch, diesen Handel einzugehen; aber die Zigeunerin hatte nicht umsonst die schwache Seite der Zigeunerin erkannt. Nach manchem Hin- und Herreden einigte man sich auf einen Taler. Schweren Herzens holte die Bauersfrau den Taler, händigte ihn dem fremden Weibe aus und wartete begierig auf den Zauberspruch.

"Jedesmal, ehe ihr in eurem Hause das letzte Brot anschneidet,", sagte das Zigeunerweib geheimnisvoll, "müsst ihr schnell neuen Teig einsäuern und backen. Dann wird euer Brot nie all’ werden!"

Sprach’s und war verschwunden.
 

(Siehe zu dieser Geschichte die Vorbehalte des Herausgebers)


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