Bütower Schmunzelecke - Heitere Geschichten aus dem Kreis Bütow, gesammelt von Ernst von Domarus


an der 3-Kreis-Ecke Bütow-Rummelsburg-Stolp

Ohne Siebenmeilenstiefel

Heute bin ich eine alte Frau von fünfundsiebzig Jahren, also in einem Alter, in dem die Gedanken besonders oft in die Heimat zurückwandern. So fiel mir vor ein paar Tagen ein Kindheitserlebnis ein. Eigentlich keine so rechte Feriengeschichte, denn ich verlebte meine Kinderzeit im äußersten Zipfel des Kreises Rummelsburg, also auf dem Lande. Wer selber auf einem Bauernhof groß geworden ist, weiß, wie es da zugeht: Schulferien heißt Kühehüten, Rüben hacken und ähnliche Beschäftigungen. An Camping, Segelreisen auf dem Mittelmeer oder Blitz-Touren per Anhalter nach Griechenland dachte man damals noch nicht, und es hat einem dabei durchaus nichts gefehlt.

Nun, in jenem Jahr besuchten mich während meiner Ferien mein Vetter und meine Cousine. Wir stellten natürlich allerhand Unfug an, und so wettete ich mit ihnen, daß ich es fertigbringen wurde, innerhalb von 10 Minuten drei pommersche Kreise zu durchwandern. Mir wurde selbstverständlich nicht geglaubt. Die beiden boten mir zwanzig Pfennige, wenn ich die Wette gewinnen würde, und ich schlug ein. Immerhin waren zwanzig Pfennig recht viel Geld für ein Kind, das kein Taschengeld bekam und sich für diesen Betrag damals ein halbes Kinder-Himmelreich kaufen konnte.

Keiner von uns besaß eine Uhr. Also wurde erst einmal der große Wecker von Zuhause geholt. Wir standen nun im Kreise Rummelsburg, kurz vor der Mündung der Kamenz in die Stolpe. Barfuß wie ich war, durchwatete ich die Kamenz, deren Wasser auch im Sommer ziemlich kalt war. Nun stand ich am anderen Ufer, also Kreise Bütow. Rasch lief ich über eine Wiese und einen Abhang hinunter. Dort machte die Stolpe einen Bogen, war ziemlich breit, aber flach und sandig. Wieder watete ich an das andere Ufer und war jetzt im Kreis Stolp -- und hatte gewonnen! Davon, daß ich das ganze schon zweimal ausprobiert hatte, habe ich natürlich nichts gesagt.

Bei ihrem nächsten Besuch brachten mir die beiden eine Tafel Schokolade mit - man denke, eine ganze Tafel für zwanzig Pfennige! Wir haben sie redlich miteinander geteilt.

Frau E. Loll, Ratzeburg, Bergstraße 25

Erschien in der Pom.Ztg. Nr.8/64.


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