Bütower Schmunzelecke - Heitere Geschichten aus dem Kreis Bütow, gesammelt von Ernst von Domarus


aus Bütow

Bismarck - Ehrenbürger der Stadt Bütow

Der Eiserne Kanzler war schlechter Laune - Ehrenbürgerbrief angenommen

Viele Städte und Landkreise in der Bundesrepublik sind in letzter Zeit dazu übergegangen, Patenschaften für unsere pommerschen Städte und Landkreise zu übernehmen, um so ihre Verbundenheit mit unserem Schicksal zu bekunden. Derartige Patenschaften kannten wir früher in unserer pommerschen Heimat nicht, schon gar nicht die Patenschaft für einen ganzen Kreis. Die einzige Form, um der Verbundenheit zu einem bedeutenden Menschen Ausdruck zu geben, war die Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Daher sei hier einmal die Geschichte erzählt, wie Bismarck Ehrenbürger der Stadt Bütow wurde.

Recht wenig dürfte nämlich bekannt sein, daß Bütow die erste pommersche und die zweite deutsche Stadt ist - Barby an der Elbe war die erste -, die Bismarck das Ehrenbürgerrecht verliehen hat. In der Nähe von Bütow, in Altkolziglow, war Bismarck am 28. Juni 1847 in der schlichten Dorfkirche getraut worden. Nach dem siegreichen Kriege von 1866 hatte er für die ihm vom Landtag zugebilligte Ehrengabe von 400 000 Talern die Herrschaft Varzin erworben und war daher sozusagen Bütows Nachbar geworden.

Um nun die Verdienste Bismarcks entsprechend zu würdigen und die Verbindung zwischen Bütow und Bismarck noch enger zu gestalten, wurde am 7. Juli 1868 ein Beschluß des Bütower Magistrats herbeigeführt, wonach der "leutselige und herablassende Kreisnachbar" zum Ehrenbürger der "Königlich Preußischen Immediat- und Kreisstadt Bütow" ernannt wurde. In dieser Ernennungsurkunde war noch fälschlicherweise "Hinterpommern" als Geburtsland Bismarcks angegeben worden, obwohl dieser in der Altmark das Licht der Welt erblickte.

Der Berliner Hoflitograph Winkelmann erhielt auch von der Stadt Bütow den Auftrag, für 60 Taler einen künstlerischen Ehrenbürgerbrief anzufertigen, der Bismarck dann später in feierlicher Form überreicht werden sollte. Aber so einfach war die Angelegenheit nun doch nicht. Der Bütower Magistrat mußte nämlich erst bei Bismarck anfragen, ob er überhaupt mit dieser Ehrung einverstanden sei. Und diese Anfrage kam ausgerechnet am 22. August 1868, ein Tag, der Bismarck in sehr schlechter Laune zeigte, wie der Vertraute Bismarcks, Oberförster Westphal, später einmal berichtete. An diesem Tage hatte sich Bismarck nämlich bei einem Sturz vom Pferd eine Rippe gebrochen. Voller Ärger über dies Ereignis lehnte er die vorgesehene Ehrung einfach ab.

Für Bütows Stadtväter war dies eine unangenehme Sache, denn der Magistrat hatte den Beschluß nun einmal herbeigeführt und war so in peinliche Verlegenheit gebracht. Wiederholt haben sie dann den Oberförster Westphal um eine Vermittlungsaktion gebeten, bis schließlich Bismarck erklärt haben soll:

"Na, dann lassen Sie die Deputation kommen!"

Am 1. Oktober 1868 um 2 Uhr nachmittags traf' dann die Bütower Deputation in Varzin ein, wohin Bismarck sich für einige Zeit zurückgezogen hatte. Nach einer Ansprache des damaligen Bürgermeisters Reimann wurde der schon lange fertiggestellte Ehrenbürgerbrief überreicht. Bismarck zeigte sich nun darüber sehr erfreut und nahm diesen dankend entgegen. Die Deputation, zu der außer dem Bürgermeister auch noch der Stadtkämmerer Abel, Stadtverordnetenvorsteher Henning und Stadtverordneter Mach gehörte, traf am Abend hocherfreut in Bütow wieder ein; denn nun war der Magistratsbeschluß Wirklichkeit geworden.

Hans Schulz

Erschien in der Pom.Ztg vom 23.6.56.


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