Bütower Schmunzelecke - Heitere Geschichten aus dem Kreis Bütow, gesammelt von Ernst von Domarus


aus Bütow

Warum der Lärm im Stadtparlament?
Nur von wegen der Milch?

Mir kommt ein vergilbtes Blatt des "Bütower Anzeigers" aus den 20iger Jahren in die Hände und darauf lese ich ein Gedicht, das betitelt ist "Zu den Lärmszenen im Bütower Stadtparlament". Ich war damals noch ein Kind, aber die Bütower Zeitung las ich doch schon mit mehr oder weniger Verständnis. Was den Anlaß zu diesen Lärmszenen gegeben hat, das weiß ich nicht mehr genau, und unsere Mutter, die so schön darüber hätte berichten können, ist leider schon 1955 hier in Konstanz, fern der Heimat, gestorben.

Aus den Unterhaltungen der Eltern mit anderen "Erwachsenen" ist mir nur noch in Erinnerung, daß es in der Bütower Pestalozzi-Schule eine Konrektorin Fräulein Lipp oder Lippmann gab und daß diese würdige Dame auch Stadtverordnete war. Als die Bütower Ratsherren eine neue große Maschine für die Molkerei anschaffen wollten - ich glaube zum Pasteurisieren der Milch - meinte sie, dies wäre nicht das richtige, denn durch eine solche Maschine würde der Kuhgeschmack der Milch verloren gehen. Worauf ein Stadtverordneter meinte, dann solle sie sich doch ein wenig "Kuhklax" in die Milch tun, das gäbe sicher einen guten, kräftigen "Kuhgeschmack".

Das war ja nun freilich unerhört, und "der Pestalozzi-Schule würdige Konrektorin" legte kräftig los. Und daneben muß im Bütow der "goldenen 20iger Jahre" irgendeine Wahl daneben gegangen sein. Damals wurde ja noch etwas mehr gewählt als heutzutage. Ob vielleicht einer der alten Bütower noch etwas mehr über das empörte Stadtparlament von damals weiß? - Doch nun endlich das Gedicht:

Zu den Lärmszenen im Bütower Stadtparlament

Bütow bricht sich, Bütow bricht sich,
Bütow bricht sich endlich Bahn
Und sein Ruhm klingt durch die Lande
Von Tromsoe bis Hindostan.

Mit Berlin, Stettin und anderen
Schmeißt es nicht in einen Pott,
Bütow steht im Rang der Städte
Gleich nach Nischnienowgorod!

Und es hat nach dem, was dorten
Letzthin sich begeben hat,
Nunmehr in der Weltgeschichte
Sein besonderes Ruhmesblatt.

Auch die Herren von der rechten
Seite hatten es riskiert,
einen Wahlgang anzufechten
Und man fühlte sich brüskiert.

Drob entstand ein wüstes Lärmen
Und Geschimpfe in dem Haus
Und dem Herrn vom Kommunismus
Ging vor Grimm die Pfeife aus.

Dann erklang mit einem Male,
Weil man sonst nichts sagen kunnt,
Laut die Internationale
Aus so manchem holden Mund.

Doch am lautesten von allen
Sang - so liest man weiterhin -
Unserer Pestalozzi-Schule
Würdige Konrektorin.

Ausgerechnet Pestalozzi.
Bütow bricht sich endlich Bahn
Und sein Ruhm klingt durch die Lande
Von Tromsoe bis Hindostan.

Ingeborg Burse und Schwester. Früher in Borntuchen, Kreis Bütow, heute 775 Konstanz a./B., Luisenstraße 26.

Erschien in der Pom.Ztg.vom 14.7.62.


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